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Phishing: Betrug mit gefälschten E-Mails
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Autor: Djure Meinen
„Phishing“ – der Diebstahl persönlicher Nutzerdaten im Internet – war
bislang vor allem als Problem englischsprachiger Länder bekannt.
Deutschland galt aufgrund der Sprachbarrieren kaum als Zielland. Die
Entwicklung der letzten Monate zeigt: Die Situation hat sich drastisch
geändert.
Seit Anfang des Jahres sind auch deutsche Banken ins Visier der Hacker
geraten. Jüngstes Opfer waren die Kunden einiger Volks- und
Raiffeisenbanken – mit weiteren Angriffen ist zu rechnen.
Möglicherweise
wäre in Deutschland die Gründung einer Organisation ähnlich wie
„Antiphishing.org“ angeraten, die sich in den USA mit diesem Problem
auseinandersetzt. Überlegungen sind bereits in Gang. Alexander
Felsenberg, Geschäftsführer des Deutschen Multimedia Verbands (dmmv):
„Wir arbeiten daran, die Aktivitäten in Deutschland gegen Phishing im
dmmv zu bündeln, um einen besseren Überblick über die Attacken zu
erlangen.“
E-Mail Marketing gerät in Verruf
Die aktuelle Entwicklung in Sachen Phishing ist ein glatter Schuss vor
den Bug der E-Mail-Marketing-Branche. Denn: Beliebt oder unbeliebt,
kluges E-Mail-Marketing ist eines der effizientesten Werkzeuge in der
Eins-zu-Eins-Kommunikation mit Kunden. Schließlich hat E-Mail die
gesamte Kommunikationswelt auf den Kopf gestellt. Wo Kommunikation bis
vor einigen Jahren noch langsam und vor allem einseitig war, erlaubt
E-Mail die punktgenaue Kontaktaufnahme mit Zielgruppen. Gut platzierte
E-Mails sind eine relativ unaufdringliche Form der Direktkommunikation.
Zunächst einmal gilt es zwischen E-Mail-Marketing und Spam zu
unterscheiden. Während Spam massenhaft, anonym und unaufgefordert
versandt wird, setzen E-Mail-Marketing-Profis auf „Permission
Marketing“. Will sagen: angeschrieben wird nur, wer explizit über
Sonderangebote oder Aktionen informiert werden will. Denn im heutigen
„Geiz-ist-Geil“-Umfeld hat sich das Verhältnis der meisten Kunden zu
Sonderangeboten drastisch geändert – Informationen über wirkliche
Preisvorteile sind hochwillkommen. Einer der professionellsten Nutzer
von E-Mail-Marketing ist der Online-Buchhändler Amazon: Hier kann der
Kunde zunächst entscheiden, ob er über Sonderangebote informiert werden
will oder nicht. Der gute Ruf des Unternehmens in der Online-Szene ist
sicher ein Ergebnis der Tatsache, dass Amazon sich an die Wünsche
seiner
Kunden hält.
Doch Phishing gibt der schönen neuen Marketingwelt neuerdings einen
Wermutstropfen. Denn wo Nutzer erst einmal Verunsicherung spüren,
bleiben sie schnell ganz weg. Beherztes Handeln tut Not – findet
Joachim
de Bruin, Geschäftsführer von pressrelations in Düsseldorf: „Wenn die
Branche jetzt nicht entschlossen gegen Phishing vorgeht, könnten die
Wachstumserfolge der letzten Jahre schmelzen wie Schnee in der Sonne.“
Was tun?
Bleibt die Frage, welche Gegenmaßnahmen zu treffen sind. Der wohl
wichtigste Schritt: Online-Häuser müssen ihre Nutzer aufklären über die
möglichen Gefahren. Eine andere Möglichkeit dem Problem zu begegnen
sind
Spam-Filter, die jedoch jeder Nutzer selbst aufspielen oder aktivieren
muss.
pressrelations verfolgt einen weiteren Ansatz: Eine sog. “Spam-Trap”,
bietet Unternehmen die Möglichkeit, Ihre Kunden vor möglicher
Phishing-Spam frühzeitig zu warnen. Dazu hinterlässt die Software auf
möglichst vielen Seiten verschiedene E-Mail-Adressen. Ziel: so viel
Werbe-E-Mail („Spam“) wie möglich anzulocken. Zu diesem Zweck pflegt
das
Unternehmen einen großen Stamm fingierter E-Mail-Adressen, die in
Newsgroups, Gästebüchern oder auf Webseiten hinterlassen werden. Diese
fungieren als „Spam-Magnet“ und ziehen Harvester (Programme, die
automatisch Mailinglisten für Spammer erstellen) an. Die Software
analysiert und bewertet jede eingegangene E-Mail. Spam-Trap bewertet
auch, ob es sich lediglich um eine Werbe-E-Mail oder um einen
tatsächlichen Angriff handelt.
Eine andere Variante der Vorsorge ist die Software Domain-Watch, also
der gezielten Überwachung, welche Domain-Namen im Internet angemeldet
werden. Der Hintergrund: Hacker sichern sich häufig Domain-Namen, die
den Namen der Opfer ähneln – bis auf die Endung, denn die Rechner
befinden sich meist im Ausland. Domain-Watch recherchiert gezielt
potenziell verdächtige Namenskombination. Für die Endungen „com“ und
„org“ fördert sie dabei nicht nur Domains, die bereits konnektiert sind
zu Tage, sondern auch die lediglich registrierten.
Phishing-Welle schwappt nach Deutschland
Im Mai war es wieder soweit. Erneut kam eine E-Mail in Umlauf, die
eBay-Nutzer zur Preisgabe von LogIn und Passwort innerhalb einer
bestimmten Frist aufforderte. Der angebliche Grund: Ein Wasserschaden
hatte das Rechenzentrum lahmgelegt. Der Clou der Mail war der Name des
vermeintlichen Unterzeichners, der in der Tat ein Mitarbeiter des
Unternehmens war. Allerdings arbeitete er nicht wie angegeben im
Kundendienst, sondern in der Unternehmensführung: Es war der Direktor
von eBay Europe selbst. Und die Zahl der Angriffe explodiert: Während
der Internet-Security-Anbieter MessageLabs im September 2003 279
Phishing-Mails zählte, waren es im Januar 2004 bereits 337.000 –
Tendenz
weiter steigend.
Einmaleins des Phishing
Angreifer, die phishen haben eines im Sinn: Online-Nutzer um ihre
privaten Kundendaten zu prellen. So fordert eine professionell
aufgemachte E-Mail beispielsweise Kunden einer Online-Bank auf, sich
einzuloggen und wichtige persönliche Nutzerdaten in einem
Online-Formular neu einzugeben. Andernfalls würde er von der weiteren
Teilnahme am Online-Banking ausgeschlossen. Der Bequemlichkeit halber
findet sich unter der Nachricht ein direkter Link auf das entsprechende
Formular. Was der Nutzer nicht immer merkt: Der Link führt auf die
perfekt kopierte Seite seiner Bank, die nur zum Zweck des Datenraubs
erstellt wurde. Besonders gefährdet sind derzeit die Teilnehmer am
Online-Banking, Online-Versteigerungen, alle Teilnehmer von
Micropayment-Formen, E-Business aber auch Surfer des Internbuchhandel
sind in Gefahr. In den USA gehören inzwischen so etablierte Häuser wie
Citibank oder E-Bay zu den regelmäßigen Opfern von Attacken.
Zum Autor:
Djure Meinen verantwortet bei der pressrelations GmbH die Bereiche
Marketing/Vertrieb, Pressearbeit und Lobbying. Das Düsseldorfer
Unternehmen bietet seinen Kunden individuell abgestimmte Services für
das Medien- und Meinungsmonitoring (NewsRadar) sowie anspruchsvolle
Internetrecherchen (NewsRadar Discovery). Djure Meinen ist Mitglied im
Arbeitskreis Medienpolitik des Deutschen Mulimedia Verbandes dmmv.
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