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eGovernment via E-Mail steckt in den Kinderschuhen
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In Deutschland steckt eGovernment via E-Mail immer noch in den
Kinderschuhen. Dieses ist das zentrale Ergebnis einer empirischen
Forschungsstudie des E-Mail-Marketing Kompetenz-Zentrums an der
privaten Fachhochschule Wedel, die unter wissenschaftlicher Leitung von
Prof. Dr. Michael H. Ceyp durchgeführt wurde. Dieses Ergebnis ist umso
erstaunlicher, wenn man bedenkt, mit welchem Aufwand in den letzten
Jahren umfangreiche eGovernment-Projekte in Deutschland gestartet
wurden.
Hauptziel der wissenschaftlichen Studie war es, eine verlässliche
status-quo-Betrachtung der Kommunikation zwischen Behörde und Bürger
via E-Mail zu erhalten. Ausgangspunkt bildete hierbei die
Untersuchungshypothese, dass sich gerade im E-Mail-Verkehr die
besonderen Vorzüge von eGovernment für den Bürger nachvollziehbar
zeigen sollten. Um zu ermitteln, wie schnell und vor allem kompetent
E-Mail-Anfragen von Bürgern beantwortet werden, wurden insgesamt 150
Gesundheitsämter und 150 Arbeitsämter aus der gesamten Bundesrepublik
in die repräsentative Untersuchung einbezogen.
Studiendesign
Dabei hat sich schon die Recherche der E-Mail-Adressen von
Gesundheitsämtern über Stadt- bzw. Landkreishomepages als relativ
schwierig erwiesen. Die noch vergleichsweise leichteste Auffindbarkeit
stellten hierbei Suchfunktionen oder ein sog. „A-Z-Index“ zur
Verfügung. Erstaunlich hoch war mit 20% der Anteil von
Gesundheitsämtern, die per E-Mail gar nicht erreicht werden konnten.
Von den restlichen 120 Gesundheitsämtern waren 77% als allgemeine
E-Mail-Adresse und lediglich 23% als persönliche E-Mail-Adresse eines
Mitarbeiters gestaltet. Die E-Mail-Adressen der (lokalen) Arbeitsämter
konnten gut über den zentralen Internetauftritt www.arbeitsamt.de
recherchiert werden.
Als Anfrage an die schließlich ausgewählten Gesundheitsämter diente die
angesichts von SARS und Vogelgrippe aktuelle Cover Story nach dem
notwendigen Impfschutz bei einer Familienreise nach Malaysia (vgl.
Abbildung 1). Die Anfrage an die Arbeitsämter beschäftigte sich mit den
Grundzügen der Gründung einer sog. „Ich-AG“.
Studienergebnisse
Die tatsächliche Antwortquote auf die vom Forschungsteam verschickten
Anfragen liegt mit 81% bei den Gesundheitsämtern und mit 87% bei den
Arbeitsämtern noch weit unter einem befriedigenden Niveau. Auch wenn
eine hundertprozentige Antwortquote theoretisch wünschenswert,
praktisch aber nie erreichbar erscheint, dürfte mit relativ wenig
Mehraufwand im Vergleich zur jetzigen Situation (z.B. mittels einer
besseren Koordination oder einem E-Mail-Leitkonzept) eine Antwortquote
von mehr als 95% realisierbar sein. Ein mit wenig Mühen verbundener
Beitrag hierzu besteht bspw. darin, regelmäßig die verzeichnete
E-Mail-Adresse zu pflegen. Allein hierdurch wäre die Anfrage bei 4% der
Gesundheitsämter nicht wegen falscher E-Mail-Adresse abgewiesen worden
(sog. hard bounces).
Wichtig unter Bürgerserviceaspekten ist zweifelsohne auch die
durchschnittliche Antwortdauer. Diese lag bei den Gesundheitsämtern
durchschnittlich bei ca. 2,2 Tagen und bei den Arbeitsämtern bei ca.
3,8 Tagen. Positiv ist die Tatsache, dass nahezu die Hälfte (49%) aller
Gesundheitsämter innerhalb desselben Tages geantwortet hatten. Die
letzte Antwort-E-Mail eines Gesundheitsamtes hat das Forscherteam
allerdings erst nach mehr als sechzehn Tagen erhalten. Die
angeschriebenen Arbeitsämter antworteten innerhalb eines Tages
lediglich in 19% der Fälle; innerhalb weiterer 24 Stunden nochmals 14%.
Das Gros der Antworten von Arbeitsämtern erreichte die Empfänger erst
am dritten Tag (38%).
Grundsätzlich positiv ist es, wenn in der Antwortmail ein konkreter
Ansprechpartner auf Seiten der Verwaltung benannt wird. Dieses war bei
81% der Antworten von Gesundheitsämtern der Fall.
Neben der grundsätzlichen Erreichbarkeit der Ämter via E-Mail und der
gemessenen Antwortdauer bildete die Antwortqualität ein weiteres
zentrales Untersuchungsmerkmal. Hier erwies sich als besonders
eklatanter Mangel die mangelnde Tiefe der erhaltenen Antworten. Nahezu
Drei Viertel der Behörden-E-Mails hatte für die Bürger keinen
zusätzlichen Informationsgehalt, sondern diente offenkundig dazu, die
weitere Recherchearbeit erneut an den Bürger zurück zu delegieren!
Abbildung 2 zeigt exemplarisch für die Impfanfrage an die
Gesundheitsämter die angeführten Begründungen der Verwaltung für eine
unspezifische Antwort.
Im Bereich der Arbeitsämter empfahlen ein Drittel der Mitarbeiter einen
persönlichen Besuch im Arbeitsamt und weitere 19% boten eine Zusendung
von Informationsmaterial via Post an. Innerhalb der Antwort-E-Mail
hatten immerhin ca. 32% eine Link auf die zentrale Homepage
„arbeitsamt.de“ eingebaut, weitere 23% verlinkten zu einer konkreten
Inforbroschüre und immerhin noch 11% hatten diese Infobroschüre der
Antwort-E-Mail beigefügt.
Schlussfolgerungen
und Empfehlungen
Nach den dargestellten Ergebnissen ist eGovernment an einer zentralen
Schnittstelle zum Bürger, der E-Mail-Kommunikation, immer noch in
weiten Teilen eine Utopie. Auch wenn in der Mehrzahl ein persönlicher
Kontakt erreicht werden konnte, enttäuschte angesichts der konkreten
Anfragen die inhaltliche Tiefe der Antwortmails doch erheblich. Der
Bürger kommt offenkundig ohne den Rückgriff auf „bewährte“
Kommunikationskanäle, wie Telefon, Brief oder auch das persönliche
Gespräch, bei konkreten Informationsanfragen nicht aus.
Gerichtet an die Entscheidungsträger im eGovernment ergibt sich ein
konkreter Handlungsbedarf. Die öffentliche Verwaltung wird die
beträchtlichen Einsparpotenziale eines effektiven eGovernment nur dann
für sich erschließen können, wenn es ihr gelingt, die verteilt
vorliegenden Informationen in ein zentrales Knowledge Management System
einzuspeisen. Darüber hinaus sollten die verantwortlichen Akteure
E-Mails von Bürgern als Chance und nicht als zusätzliche Arbeit
begreifen. Das Instrument E-Mail eignet sich nach der Erfahrung
innovativer Unternehmen hervorragend zur fallabschließenden Behandlung
von Informationsanfragen. Auf Seiten der öffentlichen Verwaltung
ermöglichen E-Mails darüber hinaus einen flexiblen Mitarbeitereinsatz
jenseits starrer Öffnungszeiten von Ämtern. Zusammengefaßt betrachtet
schafft eGovernment via E-Mail eine gesteigerte Bürgerzufriedenheit!
Hierfür müssen allerdings auf Seiten der öffentlichen Verwaltung noch
etliche Hausaufgaben gelöst werden. |
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