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RSS-Feeds als Alternative zum
eMail-Newsletter
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RSS-Feeds als Alternative zum Newsletter
Wenn e-Mail-Marketing im Spam untergeht helfen RSS-Feeds gegen
Informationsüberflutung. Die Dotcom-Krise ist vorbei - die nächste
Krise des Internets ist eine Wachstumskrise. Wachstum zunächst nicht im
Sinne von erfreulichen Umsätzen, sondern von schierer Quantität: Sieben
Milliarden eMails, über die Hälfte davon unerwünschte Werbung (Spam)
flitzen täglich durch die Netze. Mehrere Milliarden Webseiten werben um
Besucher, und selbst wenn man die privaten Hobbyseiten oder die in
unlesbaren Sprachen außen vor läßt, der Überfluß an (potentieller)
Information ist nicht zu bewältigen. Ist das das Ende des Marketings im
Internet allgemein und des Newsletters im Besonderen? Die neue Technik
der RSS-Feeds bietet neue Mittel, bestehende lockere Beziehungen in
solide Informationsbeziehungen um zu wandeln, mit großen Vorteilen für
Empfänger und Sender.
Erstes Hindernis beim Versand eines Newslettern ist schon die Suche
nach einem Dienstleister, der überhaupt bereit ist, Massensendungen zu
übernehmen. Sind sie dann auf dem Wege, muss man damit rechnen, daß
irgendwo unterwegs der Weg von Millionen Spams verstopft wird. Oder ein
dummer Automat den Unterschied zwischen Nigeria Connection und
Bärentatze nicht erkennt und alles, was in größeren Mengen mit ein- und
demselben Absender des Weges kommt, auf eine schwarze Liste setzt. Das
wird dann von anderen Providern ungeprüft weggeworfen oder stundenlang
aufgehalten.
Schwarze Listen sperren Müll
Die nächste Schwelle ist dann bei den Spamfiltern auf Empfängerseite zu
überwinden, die bei mir täglich 60 und mehr Werbemails aussortieren und
damit noch lange nicht alle erwischen. Letzte Hürde schließlich ist die
Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft des von Viagra-Hökern genervten
Empfängers, der allzu leicht alles in den Orkus klickt, was nicht von
seinen täglichen Kommunikationspartnern kommt. Kein Wunder, dass
zumindest in den USA die Bereitschaft zum Abonnement von Newslettern
und die Reaktionen auf ihre Angebote in diesem Jahr dramatisch
zurückgegangen sind.
Newsletterabos fallen
Als Ausweg aus der Misere rücken RSS-Feeds immer mehr in den
Vordergrund. Was vor ein par Monaten noch wie Zukunftsmusik klang, wird
zu einem ernsthaften Konzept - zumindest da, wo man Marketing nicht mit
Überrumpelung und Newsletter nicht mit Postwurfsendungen verwechselt.
Das Konzept hat viele Ähnlichkeiten mit der Art von herkömmlichen
Newslettern, mit denen Informationsanbieter ihren Interessenten eine
kurze Nachricht zukommen lassen, dass es zu diesem und jenem Thema
einen neuen Beitrag auf der Website zu lesen gebe. Diese Nachricht wird
jedoch nicht mehr per Mail versandt, sondern auf der Website selbst als
"RSS-Feed" abgelegt. Das ist ein XML-Format, das von einer
entsprechenden Reader-Software auf dem Computer des
Informations-Interessenten automatisiert abgerufen werden kann.
Der Trick: Ist der Informationskanal erst einmal eingerichtet, kommen
die Nachrichten wie beim Newsletter auch pünktlich und wie von selbst
ins Haus des Interessenten und laden zum Besuch auf der Website ein,
sobald sich da etwas tut. Aber der Empfänger behält die volle
Kontrolle. Will er die Informationen nicht mehr haben, befiehlt er
seiner Software, dieses Angebot künftig nicht mehr abzurufen, und dann
ist Ruhe. Mit desto mehr Aufmerksamkeit kann er sich dem widmen, was er
haben will.
Kontrolle wechselt vom Anbieter zum Kunden, und bleibt dort
Die technische Entwicklung von RSS-Feeds ist inzwischen weit voran
geschritten. Die automatische Generierung der Information in XML
bereitet kaum noch Probleme. Erste RSS-Reader klinken sich bereits in
Mailprogrammen ein und ersparen es dem Anwender, sich ausdrücklich mit
noch einer neuen Technik zu befassen. Das läuft alles (fast) wie von
selbst.
Umso deutlicher wird sichtbar, dass das neue Kommunikationssystem
Anforderungen stellt, die über die Technik hinausgehen. Wie knüpft man
die lockeren Netze, die Sender und Empfänger verbinden? Wie weckt der
Informationsanbieter (bspw. Ihr Unternehmen) das Interesse potentieller
Empfänger (Kunden) und bringt sie dazu, noch eine Software auf ihrem
System einzurichten? Wie formuliert er seine "Feeds", dass sie beim
Empfänger als faire Antwort auf sein Informationsbedürfnis erkannt
werden? Gibt es ein Zuviel oder ein Zuwenig an Angebot - und wo liegen
die Grenzen? Wie stellt sich der Empfänger, Ihr Kunde, zum eigenen
Gebrauch einen Mix zusammen, der genau die Feeds mit allgemeinerem
Inhalt und höherer Frequenz mit den Informationen hoher Spezifität,
aber naturgemäß geringerer Veröffentlichungsfolge, kombiniert, dass er
rundum zufrieden ist?
Autor: Dr. Michael Charlier
Als gelernter Kulturwissenschaftler und praktizierender Journalist, der
sich - unter anderem - auch mit "Computerthemen" beschäftigte, leistete
er sich seinen ersten eigenen Internetzugang im Jahr 1994. Engagement
für das Netz und seine Kommunikationskultur stehen seitdem im
Mittelpunkt seiner Arbeit. In den Webstandards sieht er die technische
Grundlage für Kommunikationsangebote mit möglichst großer Reichweite.
Und in der Beachtung sprachlicher und ästhetischer Erwartung des
Publikums die Grundlage dafür, dass solche Angebote auch ankommen.
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