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RSS-Feeds als Alternative zum eMail-Newsletter

Autor:  Dr. Michael Charlier


RSS-Feeds als Alternative zum Newsletter

Wenn e-Mail-Marketing im Spam untergeht helfen RSS-Feeds gegen Informationsüberflutung. Die Dotcom-Krise ist vorbei - die nächste Krise des Internets ist eine Wachstumskrise. Wachstum zunächst nicht im Sinne von erfreulichen Umsätzen, sondern von schierer Quantität: Sieben Milliarden eMails, über die Hälfte davon unerwünschte Werbung (Spam) flitzen täglich durch die Netze. Mehrere Milliarden Webseiten werben um Besucher, und selbst wenn man die privaten Hobbyseiten oder die in unlesbaren Sprachen außen vor läßt, der Überfluß an (potentieller) Information ist nicht zu bewältigen. Ist das das Ende des Marketings im Internet allgemein und des Newsletters im Besonderen? Die neue Technik der RSS-Feeds bietet neue Mittel, bestehende lockere Beziehungen in solide Informationsbeziehungen um zu wandeln, mit großen Vorteilen für Empfänger und Sender.

Erstes Hindernis beim Versand eines Newslettern ist schon die Suche nach einem Dienstleister, der überhaupt bereit ist, Massensendungen zu übernehmen. Sind sie dann auf dem Wege, muss man damit rechnen, daß irgendwo unterwegs der Weg von Millionen Spams verstopft wird. Oder ein dummer Automat den Unterschied zwischen Nigeria Connection und Bärentatze nicht erkennt und alles, was in größeren Mengen mit ein- und demselben Absender des Weges kommt, auf eine schwarze Liste setzt. Das wird dann von anderen Providern ungeprüft weggeworfen oder stundenlang aufgehalten.

Schwarze Listen sperren Müll

Die nächste Schwelle ist dann bei den Spamfiltern auf Empfängerseite zu überwinden, die bei mir täglich 60 und mehr Werbemails aussortieren und damit noch lange nicht alle erwischen. Letzte Hürde schließlich ist die Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft des von Viagra-Hökern genervten Empfängers, der allzu leicht alles in den Orkus klickt, was nicht von seinen täglichen Kommunikationspartnern kommt. Kein Wunder, dass zumindest in den USA die Bereitschaft zum Abonnement von Newslettern und die Reaktionen auf ihre Angebote in diesem Jahr dramatisch zurückgegangen sind.

Newsletterabos fallen

Als Ausweg aus der Misere rücken RSS-Feeds immer mehr in den Vordergrund. Was vor ein par Monaten noch wie Zukunftsmusik klang, wird zu einem ernsthaften Konzept - zumindest da, wo man Marketing nicht mit Überrumpelung und Newsletter nicht mit Postwurfsendungen verwechselt.

Das Konzept hat viele Ähnlichkeiten mit der Art von herkömmlichen Newslettern, mit denen Informationsanbieter ihren Interessenten eine kurze Nachricht zukommen lassen, dass es zu diesem und jenem Thema einen neuen Beitrag auf der Website zu lesen gebe. Diese Nachricht wird jedoch nicht mehr per Mail versandt, sondern auf der Website selbst als "RSS-Feed" abgelegt. Das ist ein XML-Format, das von einer entsprechenden Reader-Software auf dem Computer des Informations-Interessenten automatisiert abgerufen werden kann.

Der Trick: Ist der Informationskanal erst einmal eingerichtet, kommen die Nachrichten wie beim Newsletter auch pünktlich und wie von selbst ins Haus des Interessenten und laden zum Besuch auf der Website ein, sobald sich da etwas tut. Aber der Empfänger behält die volle Kontrolle. Will er die Informationen nicht mehr haben, befiehlt er seiner Software, dieses Angebot künftig nicht mehr abzurufen, und dann ist Ruhe. Mit desto mehr Aufmerksamkeit kann er sich dem widmen, was er haben will.

Kontrolle wechselt vom Anbieter zum Kunden, und bleibt dort

Die technische Entwicklung von RSS-Feeds ist inzwischen weit voran geschritten. Die automatische Generierung der Information in XML bereitet kaum noch Probleme. Erste RSS-Reader klinken sich bereits in Mailprogrammen ein und ersparen es dem Anwender, sich ausdrücklich mit noch einer neuen Technik zu befassen. Das läuft alles (fast) wie von selbst.

Umso deutlicher wird sichtbar, dass das neue Kommunikationssystem Anforderungen stellt, die über die Technik hinausgehen. Wie knüpft man die lockeren Netze, die Sender und Empfänger verbinden? Wie weckt der Informationsanbieter (bspw. Ihr Unternehmen) das Interesse potentieller Empfänger (Kunden) und bringt sie dazu, noch eine Software auf ihrem System einzurichten? Wie formuliert er seine "Feeds", dass sie beim Empfänger als faire Antwort auf sein Informationsbedürfnis erkannt werden? Gibt es ein Zuviel oder ein Zuwenig an Angebot - und wo liegen die Grenzen? Wie stellt sich der Empfänger, Ihr Kunde, zum eigenen Gebrauch einen Mix zusammen, der genau die Feeds mit allgemeinerem Inhalt und höherer Frequenz mit den Informationen hoher Spezifität, aber naturgemäß geringerer Veröffentlichungsfolge, kombiniert, dass er rundum zufrieden ist?

 

 

Autor: Dr. Michael Charlier

Als gelernter Kulturwissenschaftler und praktizierender Journalist, der sich - unter anderem - auch mit "Computerthemen" beschäftigte, leistete er sich seinen ersten eigenen Internetzugang im Jahr 1994. Engagement für das Netz und seine Kommunikationskultur stehen seitdem im Mittelpunkt seiner Arbeit. In den Webstandards sieht er die technische Grundlage für Kommunikationsangebote mit möglichst großer Reichweite. Und in der Beachtung sprachlicher und ästhetischer Erwartung des Publikums die Grundlage dafür, dass solche Angebote auch ankommen.


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