Die Zukunft der E-Mail

Regelmäßig wird das älteste Dialog-Tool des Internets totgeredet. Dabei gibt es gute Gründe dafür, dass die E-Mail das Beste noch vor sich hat.

Auf Smartphones ist es die meistgenutzte Online-Anwendung. Richtig eingesetzt sieht das Medium einer rosigen Zukunft entgegen. Neue Inbox-Programme machen aus der Last der E-Mail-Bewältigung eine Freude: Bald haben wir alle einen digitalen Privatsekretär, der unsere Post vorsortiert, bearbeitet und nur Wichtiges und Interessantes durchlässt.

Vor 42 Jahren wurde die erste E-Mail verschickt, vor 37 Jahren bekam die englische Königin eine E-Mail-Adresse und vor dreißig Jahren kam die erste E-Mail nach Deutschland. Bis heute ist die E-Mail der meistgenutzte Dienst im Internet. Ray Tomlinson, der Erfinder der E-Mail, hatte schon 1971 den richtigen Riecher: Die Tatsache, dass Geräte über Internet-Technologie miteinander vernetzt werden, ist nicht das Spannende. Für Menschen zählt, dass sie diese Geräte nutzen können, um miteinander zu kommunizieren. Hierfür bietet die E-Mail eine robuste Standardtechnologie, die von 92 Prozent der Internetnutzer eingesetzt wird. Die Anwendung reicht von der Registrierung im Social Web oder in Onlineshops bis zum Versand von Rechnungen.

Ob die E-Mail Zukunft hat, wurde immer wieder angezweifelt. Um die Jahrtausendwende war es das drastisch erhöhte Spamaufkommen, das Kritiker ein „Ende der E-Mail“ ausrufen ließ. Dann kamen RSS, Blogs und Web 2.0, die vermeintlich die E-Mail verdrängen würden. Nun ist es das Social Web, das viele Aufgaben übernimmt, die früher ausschließlich per E-Mail erledigt wurden. Auch die Verlagerung des Instant Messaging von SMS zu Diensten WhatsApp, Facebook-Messenger, WeChat oder Line hat Konsequenzen für die E-Mail.

Junge Menschen brauchen meist keine E-Mail. Sie kommunizieren lieber in Echtzeit mit Freunden. Je älter Menschen werden, desto mehr verlagert sich die Kommunikation. Mit den Verpflichtungen von Erwachsenen nehmen Post und E-Mail eine stärkere Rolle ein. Ein Chat ist nicht dazu da, eine Bewerbung oder eine Rechnung zu versenden.

Momentan erleben wir eine gewaltige Veränderung bei der E-Mail-Nutzung. Bald werden alle Menschen ein internetfähiges Smartphone besitzen. Und es wiederholt sich das, was schon bei internetfähigen PCs der Fall war: Die meistgenutzte Anwendung ist die E-Mail. Wer ein Smartphone hat, nutzt es, um schnell von unterwegs seine E-Mails zu checken. Nur macht es leider keine Freude, etwas anzuklicken. Genau wie zu den Anfangszeiten des Internet ist die Bandbreite schlecht und daher die Ladezeit zu lang. Das wird sich ändern.

Technisch bietet die E-Mail leider (noch) nicht all das, was Webseiten können. Der Grund ist banal. E-Mail-Programme sehen ihre Hauptaufgabe im Übertragen von Text und nicht von gestalterischen Elementen. Im Gegenteil. Aus Sicherheitsgründen werden bei Outlook, Gmail , GMX & Co. (von Lotus Notes will ich hier erst gar nicht reden) viele Dinge deaktiviert. Daher ist E-Mail-HTML bis heute ein Buch mit sieben Siegeln, das nur spezialisierte Agenturen wirklich beherrschen. Aber hier ist ein Gegentrend erkennbar: Outlook hebt seine generelle Blockade von Bildern auf. Auch Gmail zeigt jetzt Bilder standardmäßig an – nun sogar als grafische Übersicht neu eigegangener Werbemails . Aber der Weg zu voll funktionsfähigem HTML ist noch weit.

Der wichtigste Meilenstein auf dem Weg in die Zukunft der E-Mail ist die Weiterentwicklung der Inbox. Ähnlich wie die Startseite von Twitter und Facebook ist die E-Mail-Inbox eine Liste eingegangener Nachrichten. Bei Twitter wird alles angezeigt. Das macht die Nutzung oft unübersichtlich. Bei Facebook dagegen sorgt der von Andrew Bosworth entwickelte Algorithmus dafür, dass nur die wichtigsten Meldungen angezeigt werden. In der E-Mail-Inbox wurde bisher nur zwischen unangeforderter E-Mail-Werbung (Spam) und E-Mails mit Einwilligung unterschieden.

Das ändert sich jetzt. Gmail sortiert schon automatisch Newsletter und Benachrichtigungen aus dem Social Web in spezielle Ordner. Im Silicon Valley ist nun eine wahre Gründerwelle ausgebrochen:  Inbox, Sanebox, Mailbox, Bidseye und Unroll.me sind alles neue Systeme, die die Inbox relevanter machen wollen. Nich mehr lange und bekommt jeder seinen eigenen Privatsekretär, der die elektronische Post vorsortiert. Vom ältesten Kommunikationsinstrument im Internet werden wir in Zukunft noch viel Neues hören.

Fazit: Die E-Mail hat Ihre besten Zeiten vor und nicht hinter sich.

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4 comments

  1. Dem stimme ich voll und ganz zu. Die E-Mail ist quicklebendig. Sie ist und bleibt eine „disruptive“ Technologie für Postkarte, Fax und Brief. Sie hat dazu geführt, dass in vielen Call Center Teams eine spürbare Migration von Anrufen zu den Schriftkanälen stattgefunden hat. Sie ist die „Mutter“ der textbasierten digitalen Kommunikation. Sie hat zu einer Renaissance der Verschriftung geführt. Denn 50 % der deutschen Verbraucher weigern sich mittlerweile in Unternehmen anzurufen. 72 % bevorzugen die E-Mail, wenn es um die Kommunikation mit Unternehmen geht. Die Kinder der E-Mail (Facebook, WhatsApp, Twitter und Co.) sind noch im Teenager-Alter. Sie werden sie vielleicht eines Tages vollständig beerben. Aber bis dahin hat sie noch viele schöne Jahre vor sich. Viele Beiträge und Fakten rund um die „Renaissance der Verschriftung“ haben wir in unserem Blog gesammelt: http://www.ityx.de/blog/ Beste Grüße Andreas

  2. Sehr schöner Artikel.

    Ich glaube auch, dass die E-Mail vor allem einen ganz entscheidenen Vorteil hat. Sie ist leicht zu bedienen, benötigt mittlerweile auf dem Smartphone keinerlei zusätzliche Apps mehr. Von daher werden wir noch eine ganze Menge an E-Mails haben.

    Im Vergleich zu anderen textbasierten Medien, gibt es vor allem den Vorteil, dass ich mir die selbst zusammen sortieren kann. Dinge, welche über Chat, SMS, Facebook und Twitter nicht wirklich funktionieren.

    Insofern kann ich mich meinen Vorschreiber anschliessen.

  3. Epistates says:

    Das Absolit noch rosige Zeiten für die E-Mail sieht ist doch klar. Das ist deren Geschäft. Das ist genauso wie der VDZ, der ständig über Print jubelt. Ich selbst nutze E-Mail kaum noch. Einmal pro Woche schaue ich vielleicht mal rein. Und wenn sich Dinge wie De-Mail oder der E-Postbrief durchsetzen, ist mit E-Mail-Marketing eh Schluß. Und selbst wenn nicht, nach dem Willen der EU so oder so.

    In einem gebe ich dem Artikel recht, er spricht von einer älteren oder älter werdenden Zielgruppe die das Medium nutzt. Aber ich glaube kaum, das sich das für die jetzt mehr oder weniger Jungen wiederholt. Genauso wie meine Mutter kein Internetbanking machen will, genauso wenig werde ich im Alter anfangen meine Überweisungen wieder auf Papier einzureichen.

  4. Torsten Schwarz

    Lieber Epistates,
    wie Sie es schaffen, so ganz ohne E-Mail zu leben, erschließt sich mir nicht ganz. Beruflich wäre ich ohne E-Mail längst verloren. Aber auch privat mag ich es nicht missen, dass mir eBay sagt, wenn ich überboten wurde oder der Online-Händler mich benachrichtigt, dass das bestellte Produkt Lieferprobleme bereitet. Die Buchungsbestätigungen meiner Urlaubsreisen sind ebenfalls alle in meiner E-Mail-Inbox. Auch frage ich mich, ob ein Unternehmen, bei dem ich mich beworben habe und das auf meine Antwort wartet, Verständnis dafür hat, dass ich vielleicht einmal pro Woche meine E-Mails lese.

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