Mobile Nutzer richtig ansprechen: 9 Tipps

Die Nutzer haben das Mobile-Web bereits entdeckt. Nur Unternehmen tun sich noch schwer damit. Hier ein paar Tipps, was beachtet werden sollte.

Über dreißig Millionen Deutsche haben inzwischen ein Smartphone. 8,2 Millionen gehen per Tablet-Computer ins Internet. 11,4 Prozent der Abrufe von Webseiten kommen heute von mobilen Endgeräten. 26 Prozent der Internetnutzer sind beim Fernsehen immer online. Bei den Abrufen von Newsseiten im Internet haben in den Morgen- und Abendstunden Smartphones und Tablets den klassischen PC bereits überholt.Nutzer von Smartphones in Deutschland 2009-2012 in Millionen

Damit die Online-Angebote von Unternehmen auch für mobile Nutzer attraktiv sind, muss etwas getan werden. Hier finden Sie die wichtigsten Maßnahmen, die Unternehmen ergreifen sollten.

Fakten sammeln
Wie und wozu nutzt Ihre Zielgruppe Smartphone und Tablet. Der einfachste Weg das herauszufinden ist die Webanalyse. Mit Ihrem Tracking-Programm finden Sie heraus, wie viele Nutzer überhaupt von Mobilgeräten kommen und für welche Inhalte sie sich interessieren. Vielleicht einfach nur die Adresse und Anfahrtskizze? Gibt es bevorzugte Uhrzeiten für Mobilzugriffe?

E-Mails komplett anpassen
So wie E-Mail der meistgenutzte Dienst im Internet ist, so ist er es auch auf mobilen Endgeräten. Zwölf Millionen Deutsche nutzen ihr Smartphone, um E-Mails abzurufen. Diese Menschen lesen ihre E-Mails mobil UND am PC. Von einer reinen Mobilversion ist daher abzuraten. Während die MIME-Codierung eine Kombination von HTML und Text erlaubt, gibt es einen solchen Standard für mobile Mails derzeit noch nicht. Dafür können die einzelnen Komponenten einer E-Mail so gestaltet werden, dass sie beim Abruf über Smartphone weniger Inhalte anzeigen. Diese Anpassung ist jedoch meist aufwändig.

E-Mails leicht anpassen
Mit etwas weniger Aufwand lassen sich die groben Fehler vermeiden. So sollte auf Zweispaltigkeit verzichtet werden und die Inhalte so gestaltet werden, dass sie auch auf einem Smartphone lesbar sind. Smartphones zeigen in der Vorschau den Pre-Header an. Dieser sollte die wichtigsten Inhalte der Mail zusammenfassen und nicht Standardtexte wie „wenn Sie diese Mail nicht lesen können, klicken Sie bitte hier“ anzeigen. Blackberries zeigen die Textversion an. Besonders im B2B ist es daher entscheidend, auch der Textversion etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die neuen iPhones vergrößern automatisch auf Schriftgröße 12. Das führt bei kleineren Schriften dazu, dass Zeilen ineinander laufen und der Text nicht mehr lesbar ist. Die E-Mail sollte daher so programmiert sein, dass sie auf mobilen Endgeräten Schriftgröße 12 und Zeilenabstand 17 anzeigt.

Webseiten checken
Bei Webseiten gilt prinzipiell das Gleiche: Entweder Sie passen die Gestaltung leicht an oder Sie zeigen spezielle Inhalte für Nutzer, die von mobilen Endgeräten kommen. Zunächst einmal sollten Sie Ihre Webseiten einmal selbst mit verschiedenen Smartphones, einem iPad und einem Android-Tablet ansehen. Mit Mobilizer können Sie das auch am PC tun. Auch der mobileOK Checker ist eine Hilfe. Weitere Analysen erhalten Sie mit Keynote MITE. Google bietet unter Startmobile an, die Website zu testen.  Generell gilt: HTML ist gut – alles andere stört. Also kein Flash, Java, Frames oder Pop Ups.

Grobe Lesbarkeit sicherstellen
Nach der ersten Analyse entscheiden Sie, an welchen Stellen Sie Inhalte abspecken und Schriftgrößen ändern können, um auf die Schnelle eine bessere Lesbarkeit herzustellen.  Zum Teil reicht es schon, wenn zunächst einmal die Zugänglichkeit der wichtigsten Kontaktdaten wie Adresse und Telefonnummer sichergestellt ist. Achten Sie darauf, dass die Telefonnummer anklickbar ist.

Mobilversion oder App?
Wenn Sie professionell durchstarten möchten, gibt es drei Optionen: Die eigene App, eine Mobilversion oder eine sich anpassende Webseite. Die eigene App ist eine gute Idee, wenn Sie für Ihre Nutzer wirklich wichtig sind. Wenn Sie jedoch weder ein Wetterdienst noch ein Verkehrsbetrieb sind, ist die Frage berechtigt, ob Ihre Kunden wirklich eine App brauchen. Es entbindet Sie auch nicht von der Pflicht, Ihre Website für Mobilnutzer zugänglich zu machen. Hier gibt es zwei Optionen: Entweder Sie leiten alle Mobilnutzer auf eine spezielle Mobilseite weiter oder Sie setzen auf „Responsive Webdesign“. Dabei wird das Webseitenlayout dynamisch an die Monitorgröße angepasst.

Konzentration auf das Wichtigste
Bevor Sie nun die gesamte Website mobil machen, eine Frage: Was benötigen Ihre Nutzer unterwegs am dringendsten? Eine Reservierungsanfrage? Die Produktverfügbarkeit? Den Zugang zu wichtigen Informationen? Abfrageformulare für mobile Geräte zu programmieren erfordert viel Einfühlungsvermögen in die jeweilige Nutzersituation. Oft wird jemand beim Tippen gestört, dann sollte das Formular auch später finalisiert werden können.

QR-Code als Zugang
Wenn Nutzer unterwegs sind, holen Sie sie dort auch ab. QR-Codes können bequem eingescannt werden und die umständliche Eingabe der URL entfällt. Bei QRcode-Generator.de ist schnell ein Code erstellt. Die meisten Nutzer haben heute Reader wie z.B. „Scan“ installiert. Und natürlich sollte auch die Landingpage mobil optimiert sein.

Wurstfinger berücksichtigen
Böse Zungen behaupten, dass im Mobile Web jeder zweite Klick unbeabsichtigt ist. 38 Prozent der Klicks auf statische Banner sind laut Goldspot unabsichtlich. Je kleiner das Klickfeld, desto schwerer ist es mit dem Finger zu treffen. Derzeit sind die Klickraten auf Smartphones noch deutlich niedriger als am PC. Tun Sie daher alles für die Klickfreundlichkeit. Links müssen groß sein und auch Bilder sollten immer verlinkt sein. Großzügig Freiräume rund um die Links schaffen!

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10 comments

  1. Danke für die nützlichen Tipps. Ich versuche seit einigen Monaten bei neuen Webprojekten immer die Mobiltauglichkeit im Auge zu haben.
    Daher nutze ich auch nach Möglichkeit immer Vorlagen, die auch keine Probleme auf Smartphones verursachen. Jeden Tipp in dieser Hinsicht greife ich gerne auf.

  2. Oft wird jemand beim Tippen gestört…….Wurstfinger berücksichtigen
    ….. Wenn die Spracherkennung bei den Smartphones funktioniert, kann man die beiden Punkte eliminieren. Es ist die Frage der Zeit, wann ein Tablett oder ein iPad einen PC ersetzen kann. Wie viele Zeit werden wir der Entwicklung geben? Die Entwicklung einer neuen Webseite, angepasst an mobilen Benutzern oder die Entwicklung eines Smartphones bzw. Tabletts, welches so schnell und leistungsfähig wie ein PC ist?
    Spracherkennungssoftware unabhängig von Server des Herstellers verlangt viel Speicher und Rechenleistung.
    Mobile Benutzer wollen nicht 3 Geräte in der Tasche haben. Smartphones, Tablett und Notebook.
    Wollen wir abwarten oder Zeit und Geld in eine mobile Lösung investieren?
    Es sind schwierige Fragen der unternehmerischen Entscheidungen. Wer kann das voraus sehen und abschätzen?

  3. Uwe Küll says:

    Vielen Dank für die klaren Ansagen. Ich wundere mich immer wieder darüber, wie viele Unternehmen Mobile Internet offenbar als Spielwiese betrachten und ihren Business-Kunden damit wertvolle Zeit rauben. Wer diese Tipps gelesen hat, kann jedenfalls nicht mehr behaupten, er wüsste es nicht besser.

  4. Ich muss zugeben, ich bin ein wenig enttäuscht. Hab eben extra aufgrund Ihres Newsletters den Mail-Empfang auf meinem Smartphone eingerichtet. Nur um mal zu sehen, wie man es richtig macht. Leider berücksichtigen Sie in Ihrem Newsletter die eigenen Tipps noch nicht.

  5. @Robert Götz: ja und ich hatte hier ehrlich gesagt einen noch viel größeren „Shitstorm“ erwartet, denn ich bin ein ganz schlechtes Vorbild. Wir arbeiten daran.
    @Dieu Hao Abitz: sehr spannende Fragen in der Tat. Die Handlungsaufforderung wird jedoch m.E. immer noch lieber per Klick als per Sprache benutzt. Die Angst wird groß sein, das es einem wie der Sächsin geht, die telefonisch eine Reise nach Bordeaux in Frankreich gebucht hat, ob wohl sie doch nach Porto in Portugal wollte.

  6. Alexander Trust says:

    Es ist schade, dass Prozentzahlen in dem Beitrag nicht mit Quellenbelegen versehen sind. Ich kann auch wild irgendwelche Zahlen streuen, die dann niemand mehr kontrollieren kann.

  7. Torsten Schwarz

    @Alexander: Sorry, so geht das natürlich wirklich nicht. Ich hab die Quellen ergänzt. Die 30 Millionen stammen von mir: Comscore kam im Juli auf 27,3 Mio – bei konstantem Wachstum wären das heute 30 Mio – eher sogar mehr.

  8. Ernie says:

    Beim Umgang mit QR Codes gibt es auch ganz schön viel zu beachten https://qr1.at/9-praxis-tipps-verwendung-qr-codes. An erster Stelle sollte -wie bei allem!- die Frage nach dem Mehrwert für die Nutzer stehen. Im schlimmsten Fall lässt man sie enttäuscht, oder mit ?? im Kopf zurück. Ganz wichtig ist es daher, Online Kampagnen auf ihren Erfolg hin (Conversion-Rate) zu analysieren und sie zielgerecht weiterzuentwickeln. Das ist aber oft nicht minder aufwändig wie die Kampagne selbst. Bevor ich aber jeden neuesten Marketing Trend nur halbherzig, oder konzeptlos umsetze, lasse ich lieber mal einen aus!

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